Meine Auszeit - Artikel in der Burgenländerin

02.09.2018

Meine Auszeit

Archäologie ist ihre Berufung, sagt Ela Thurner. Aber die Zeit vor der Kamera möchte sie auch nicht missen. Trotz mancher Widerstände: Das Modeln ist ihr Hobby.

Fantasieren. Ehe es zum Fotoshooting geht, überlegt sich Hobby-Model Ela stets eine Geschichte. Kostüme, Perücken und Make-up macht sie zum Großteil selbst.

Nicht immer konnte sie offen über ihre Passion reden. Heute ist sie via Facebook auch beruflich vernetzt. Und zwar ohne Probleme. Seit mehr als zehn Jahren steht Manuela Thurner alias Ela vor der Kamera. Mal posiert sie mit Engelsflügeln, dann schlüpft sie in die Rolle einer Märchenfigur und wieder ein anderes Mal rekelt sie sich lasziv und spärlich bekleidet auf einem Holzboden. Geld hat die sympathische Frau mit ihrer Leidenschaft selten verdient; mit dem Modeln nimmt sie sich quasi eine Auszeit vom Alltag, "weil ich da zu hundert Prozent drinnen bin: mit Kostümen, die ich mir schneidere, Perücken und dem Make-up, das ich mir selbst mache", beschreibt sie.

Schokoladenseiten. Sehr gern ist sie mit dem Eisenstädter Fotografen Hermann Equiluz unterwegs. "Wir kennen uns schon lange, verabreden uns für ein Shooting immer wieder auch spontan, wenn beispielsweise der erste Schnee fällt oder die Kirschbäume blühen - außerdem kennt er mittlerweile meine Schokoladenseiten auswendig", lacht Ela Thurner.
Die Zeit, in der ihr ihre Fotos zum Verhängnis wurden, liegt hinter ihr. Als ihr Hobby damals publik wurde, setzte sie ihr Arbeitgeber massiv unter Druck, "ich wurde richtig gemobbt", erinnert sich die 32-Jährige und ihr gewinnendes Strahlen verschwindet im Nu aus ihrem Gesicht. Ganz am Boden sei sie gewesen, als ihr eine Freundin schließlich riet: "Ela, mach doch endlich, was du immer machen wolltest."

"Das Schöne ist: Ich werde heute
mit meinen beiden Seiten akzeptiert."

Ela Thurner, Archäologin und Model

Neuer alter Weg. "Ich habe nach der HAK-Matura viele Jobs gehabt: von der Tankwartin bis hin zur Supermarktkassiererin. Aber eigentlich wollte ich schon als Kind Archäologin werden", schildert Ela Thurner, die in der mittelburgenländischen Gemeinde Bubendorf aufwuchs.
Sie sucht um ein Selbsterhalterstipendium an, inskribiert an der Uni Wien. Wenig später tauscht sie High Heels gegen feste Treter, die lackierten Fingernägel bohrt sie seither tief in die Erde. "Ich liebe es, bei Ausgrabungen zu schaufeln; ich habe schon ein Erfolgserlebnis, wenn ich eine große Grube ausgegraben habe", lacht sie. Mittlerweile geht es darüber weit hinaus: Sie zeichnet bei der aktuellen Ausstellung im Landesmuseum neben Landesarchäologe Hannes Herdits als zweite Kuratorin verantwortlich. Voller Feuereifer führt sie durch die Schau mit dem Titel "Neue Straßen auf alten Pfaden". Spannende Funde, darunter schön verzierte Lebensmittelgefäße oder Schmuckstücke, wurden bei Baustellen an der B 50 und B 61a entdeckt, schwärmt die Archäologie-Studentin. Und zwar aus allen Epochen: von der Stein- über die Kupferzeit, aus der Zeit der Römer bis hin zu Funden aus dem Zweiten Weltkrieg. "Ein Kollege hat einmal zu mir gesagt: Egal, wo man im Burgenland ein Loch macht, man findet überall eine Sensation", sagt Ela Thurner, die gerade im Endspurt für ihren Bachelor ist und den Master gleich anhängen will.               

Voller Ideen. Mit dem Landesmuseum kooperiert sie auf Projektbasis; am liebsten möchte sie das Land Gemeinde für Gemeinde "archäologisch" aufarbeiten. "Weil uns die Archäologie so viel über unsere Herkunft und die Zusammenhänge zur Gegenwart erzählen kann", weiß sie. "Man hätte weniger Angst vor Einwanderungen, wenn man sich vor Augen führt, dass das in der Geschichte immer schon so war."

Beim Forschen hört für sie ihr Beruf nicht auf. "Ich will den Menschen so viel wie möglich zugängig machen; die Vergangenheit der jeweiligen Heimatgemeinde interessiert doch jeden: vom Kleinkind bis zur Oma." Eine Ausstellung ganz nach ihrem Credo soll demnächst entstehen; aus dem aufschlussreichen Material aus einer jüngeren Grabung in Wiesen wird sie eine kleine, publikumstaugliche Schau für die Gemeinde konzipieren.

Ade Klischees. Was sie in ihrer Freizeit macht, scheint ihr heutiges Umfeld nicht zu stören. Auch glaubt sie, dass man mit Authentizität und Ehrlichkeit am besten Tabus und Klischees den Garaus machen kann. "Selbst in einer katholischen Kirche haben wir schon Fotos gemacht - mit Genehmigung des Pfarrers", lacht Ela Thurner. Übrigens hat sie bereits viele andere auch auf den Geschmack gebracht. Sie stellt mittlerweile auch Shootings für interessierte Frauen auf die Beine: auf Wunsch inklusive Konzept, Kostüme und Make-up.


Originalartikel:  https://www.dieburgenlaenderin.at/people/180829_thurner-151198/

Interview: Mag. Viktória Kery-Erdélyi

Infos:
www.missblackmachinery.webnode.at (Ela Thurner)
Ausstellung "Neue Straßen auf alten Pfaden": www.landesmuseum-burgenland.at
Fotos: www.equifoto.at,
Tattoos: www.skinarts.at